Programmschiene

Carmen Cartellieri

LEUCHTENDER STERN, LEISE VERGLÜHT –
CARMEN CARTELLIERI

Retrospektive von 20. bis 30. Oktober 2017

 

Carmen Cartellieri, 1891 als Franziska Ottilia Cartellieri in Mähren geboren, ist als Künstlerin eine Spätberufene. Mit 26 Jahren dreht sie – ohne jede schauspielerische Erfahrung – ihren ersten Film. Naheliegend ist, dass sie bei den Betreibern der Wiener Regent-Film Schauspielunterricht genommen hat, dort ihr Talent erkannt worden ist und sie so die Rolle der Aniula in ANJULA, DAS ZIGEUNERMÄDCHEN erhalten hat. Wenngleich es bis zum nächsten Film noch rund ein Jahr dauern sollte, ist dies doch der Startschuss zu einer ungewöhnlichen, aber auch disparat verlaufenden Karriere. Innerhalb von elf Jahren dreht Cartellieri rund 40 Spielfilme und gehört damit zu den am häufigsten beschäftigten österreichischen Schauspielerinnen der 1920er-Jahre.

Einen Namen macht sie sich an der Seite des Regisseurs Cornelius Hintner bei den Budapester Filmgesellschaften Star und Astra. Nach dem Ende der Räterepublik übersiedeln die beiden nach Wien, wo Cartellieri im Zuge einer beispiellosen Medienkampagne zum Star wird. Es folgen zwei vielbeachtete Eigenproduktionen, die schließlich in der Gründung der Cartellierifilm GmbH münden. Die Jahre des Aufschwungs der heimischen Filmindustrie während der Inflationszeit von 1920 bis 1923 markieren den Höhepunkt ihrer Karriere. Sie gehört zu Wiens bekanntesten Schauspielerinnen, wird als »schönste« ver- und geehrt. Wenngleich Cartellieris Produktionsgesellschaft nur drei Filme herausbringt, um dann an internen Differenzen mit einem italienischen Finanzier und den Mechanismen der Hyperinflation zu scheitern, bleibt sie auch die Jahre danach noch hoch im Kurs. Auch in Nebenrollen überrascht sie die Kritiker mit ihrer starken Präsenz und schauspielerischen Natürlichkeit. 1928 spielt sie ihre letzte Rolle, ihre Karriere endet unmittelbar vor Beginn der Tonfilm-Ära. Im Alter von 62 Jahren stirbt Cartellieri in Wien. (Armin Loacker)

Anlässlich dieser Retrospektive hat das Filmarchiv Austria einen Großteil der Filme digital restauriert bzw. rekonstruiert. In der neuen Filmarchiv-Austria-Edition »Film Geschichte Österreich« erscheint zudem eine umfassende Publikation zu Carmen Cartellieri.

Kuratoren: Armin Loacker, Nikolaus Wostry

Filme aus der Reihe

1 2