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vergangene Retrospektiven: Georg Stefan Troller

GEORG STEFAN TROLLER
»DAS BIN JA ICH!«

Werkschau – 17. Jänner bis 5. Februar 2017

 

GSTrollerEr sollte, so der Wunsch des Senders, den berühmten englischen Dramatiker William Somerset Maugham nach seinen Lieblingsfarben fragen. Stattdessen bekam Georg Stefan Troller von dem Mann eine intime Lebensbeichte. Diese Begegnung zu Beginn der 1960er-Jahre, so Troller selbst in einem Interview, war vielleicht der Schlüssel zu allem, was danach folgte. Er hatte die Unverschämtheit und den Mut, jene Fragen zu stellen, die er in Wahrheit auch an sich selber hatte. Und er bekam echte Antworten.

Der subjektive Journalismus des 1921 in Wien geborenen und heute in Paris lebenden Fernseh-Autodidakten wurde stilprägend für die nächsten Generationen. Trollers WDR-Magazin PARISER JOURNAL (1962–1971) und seine Porträt-Reihe PERSONENBESCHREIBUNG (1972–1993) für das ZDF waren regelrechte Straßenfeger. Eigentlich sei er menschenscheu, markiert von einer tiefen Angst und gleichzeitigen Sehnsucht nach Zugehörigkeit. Die Erfahrung der Verfolgung und Flucht vor den Nazis machte ihn zum lebenslangen Migranten. WOHIN UND ZURÜCK ist seine eigene Geschichte, erst mit ihrer Verfilmung bekannte sich Troller zum Jüdischsein.

Das Interview beschreibt er als Machtsituation – als amerikanischer Soldat nahm er an Gefangenenvernehmungen teil –, dabei betrieb er genau das Gegenteil von sensationsgieriger »Menschenfresserei«. Keine Zudringlichkeit, keine Aufdringlichkeiten, schon gar kein blanker Voyeurismus. Auch wenn Menschen wie RON KOVIC sich buchstäblich auszogen vor ihm. Einfühlsam, lakonisch, und doch kritisch und hartnäckig genug, um zur versteckten Wahrheit vorzudringen, nahm er die Gespräche als Vehikel, die das Gegenüber, den Zuschauer, aber auch Troller selbst fast zu einer Art Katharsis führten, indem sie sich mit dem – auch unsympathischen – Fremden identifizieren, sich im Anderen erkennen konnten. Abgesehen von seinem einzigartigen Stil ein Zugang mit einer großen immanenten Botschaft. (Silvia Breuss)

Am 10. Dezember wurde der Filmemacher, Autor und Essayist Georg Stefan Troller 95 Jahre alt. Das Filmarchiv Austria gratuliert mit zwei Spielfilmen und einer Auswahl seiner Fernseharbeiten.
Georg Stefan Troller wird als Gast des Filmarchiv Austria zur Werkschau persönlich anwesend sein.

Kurator: Ernst Kieninger

Foto: Carl F. Hutterer

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