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vergangene Retrospektiven: Germaine Dulac

EINLADUNG ZU EINER REISE
GERMAINE DULAC

Retrospektive von 4. bis 14. Mai 2017

 

dulacGermaine Dulac (1882–1942) drehte in den 1910er- und 1920er-Jahren über zwanzig Spielfilme. Gut die Hälfte ist erhalten. Die Filmgeschichte vermerkte die Regisseurin mit ihren kurzen, dem Surrealismus zugeschriebenen, avantgardistischen Arbeiten. In den 1930er-Jahren wandte sie sich unter dem Eindruck der politischen Entwicklung dem Dokumentarischen zu, unter anderem als Leiterin der Gaumont-Wochenschau. Ihr Engagement für den Film ging allerdings weit über die Regie hinaus: sie schrieb, hielt Vorträge, wurde Sekretärin der Filmclubbewegung und setzte sich im Rahmen verschiedener Organisationen wie der Filmbildung, der internationalen Frauenbewegung oder der Arbeiterbewegung für den Film ein. Sie gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Cinémathèque Française und der FIAF, der Internationalen Föderation der Filmarchive.

Dulacs Filmarbeit war ebenso an der Entfaltung aller Möglichkeiten des Mediums Film interessiert, wie daran, die Aufgeschlossenheit des Publikum dafür zu fördern. Beides gehörte für sie in der Praxis zusammen. Theoretisch trat sie radikal für die »visuelle Idee« des Films ein. Sie wurde eine Filmtheoretikerin von Rang. Ihre Filme entfalten eine Doppelbödigkeit, der Handlung unterliegt eine zweite Ebene des spürbaren Geschehens, die einmal mehr, einmal weniger die Oberhand und filmischen Ausdruck gewinnt. Eine Wirklichkeit erscheint, die unterhalb der gesellschaftlichen Rollen der Ehefrau, der Geliebten, des Bildes der modernen, emanzipierten Weiblichkeit und unterhalb des Selbstbewusstseins der Ehemänner und Liebhaber verortet ist. Träume, Seelenzustände, Stimmungen. (Heide Schlüpmann, Karola Gramann)

Das Filmarchiv Austria präsentiert in der in Österreich erstmals gezeigten Retrospektive das breite filmische Schaffen der Regisseurin und Filmtheoretikerin Germaine Dulac. Die Kuratorinnen Karola Gramann und Heide Schlüpmann werden das Programm von 4. bis 12. Mai in Wien mit Einführungen begleiten. Bei Synema erscheint zur Retrospektive eine Publikation zu Germaine Dulac.

Für LA BELLE DAME SANS MERCI hat die international renommierte Stummfilmpianistin und Komponistin Maud Nelissen ein Arrangement französischer Musik des Fin de Siècle geschaffen, das sie gemeinsam mit Sopranistin Wynanda Zeevaarder und Tenor Willem Korteling zur Eröffnung am 4. Mai aufführen wird.

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Im Verlag SYNEMA erscheint begleitend zur Retrospektive eine neue Publikation mit fünf Texten von Germaine Dulac, einer biografischen Notiz sowie einer kommentierten Filmografie ihrer Kinoarbeiten von 1916-1936.

Erhältlich im METRO Kinokulturhaus und über office@synema.at

Germaine Dulac
Der Film ist ein weit auf das Leben
geöffnetes Auge

Ein Projekt der Kinothek Asta Nielsen
Redaktion: Heide Schlüpmann und Brigitte Mayr

 

Filme aus der Reihe

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