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Last Silents

LAST SILENTS

Letzte Meisterwerke des Stummfilms
Retrospektive von 10. Dezember 2016 bis 8. Jänner 2017

 

CITY LIGHTS (Charles Chaplin, US 1931)Ähnlich wie bei der Umstellung vom analogen zum digitalen Kino zog sich die Umstellung vom Stumm- zum Tonfim weltweit etwa über ein Jahrzehnt. Und ähnlich wie bei der Digitalisierung war auch nicht das Publikum die treibende Kraft der technischen Revolution, sondern die Filmindustrie, die langfristig Kosten einsparen, die Kinos gleichschalten und die Auswertung der Filme besser kontrollieren konnte. Vorbei waren die Zeiten, in denen Kinobesitzer die Vorführgeschwindigkeiten und Musikbegleitungen der Filme selbst bestimmten und im Vorprogramm lokale Vaudeville-Künstler auftraten.

Bei einer Testvorführung im September 1929 votierten 685 Besucher für die stumme Version von Hitchcocks BLACKMAIL und nur 439 für die Tonfassung. Das Publikum, Künstler und Kritiker wussten – nach ersten Tonfilmerfahrungen, denen man noch euphorisch entgegengefiebert hatte – sehr genau die Vorzüge der zum Ende der 1920er-Jahre hochentwickelten Stumm Filmsprache zu schätzen: Das Medium hatte sich vom abgefilmten Theater entfernt, eine universelle visuelle Sprache entwickelt, und die begleitende Live-Musik klang allemal besser als die quäkenden Tonaufnahmen aus den akustisch noch primitiven Lautsprechern.

Die Retrospektive Last Silents ist ein Schwanengesang auf eine filmgeschichtliche Epoche, in der der Stummfilm auf seinem Höhepunkt war und die Welt eroberte. Gezeigt werden die letzten Meisterwerke aus verschiedenen Ländern und Kontinenten. Bei Filmen, deren seinerzeit angefertigte Musiktonspuren erhalten geblieben sind, werden diese vorgeführt. Von BLACKMAIL, PRIX DE BEAUTÉ und ROTAIE, die als Tonfilme bekannt geworden sind, werden die originalen stummen Versionen zu sehen sein. Die drei vor der amerikanischen Premiere von Paul Fejos’ wunderbarem Film LONESOME eingefügten Dialogsequenzen machen in ihrer theatralischen Statik deutlich, welch ästhetischen Rückschritt der Ton lm für die Entwicklung des Films zunächst bedeutete. (Stefan Drößler)

Kurator: Stefan Drößler (Filmmuseum München)
Live-Musikbegleitung: Gerhard Gruber, Florian C. Reithner, Benedikt Vecsei

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