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vergangene Retrospektiven: V'16: Robert Land

Robert Land (1887-1940)

Retrospektive des Filmarchiv Austria zur Viennale
21. Oktober bis 1. November 2016


land_uebersichtKINO VOR DEM UNTERGANG

Er gilt als einer der großen Unbekannten des deutschsprachigen Kinos der Zwischenkriegsjahre. Die Überlieferung seines filmischen Werkes konnte man allenfalls als fragmentarisch bezeichnen und seine Biografie lag praktisch im Dunkeln. Dabei ist der 1887 in Mähren geborene Robert Land eine echte filmhistorische Entdeckung.

Schon bisher verwiesen erhaltene Titel wie DER FLUCH (für die Hauptrolle entdeckte er Lilian Harvey) oder ICH KÜSSE IHRE HAND, MADAME (mit ersten Tonelementen und Marlene Dietrich in der Hauptrolle) auf die Meisterschaft ihres Regisseurs. Viele andere Titel wie DURCH DIE QUARTIERE DES ELENDS UND VERBRECHENS, nach der berühmten Sozialreportage von Emil Kläger, oder UNSCHULD – DIE KLEINE VERONIKA, eine in der Wiener Halbwelt gedrehte Adaption der Salten-Novelle, galten allenfalls als Versprechen – denn die Filme waren verschollen. 

Das Filmarchiv Austria hat ein internationales Rechercheprojekt initiiert. Viele internationale Partnerarchive, aber auch private Sammler wurden kontaktiert, um das verschüttete Erbe wieder sichtbar zu machen. Die Arbeit wurde mit der Entdeckung einer vollständigen Fassung von DIE KLEINE VERONIKA, einem nun in restaurierter Fassung wieder auf der Leinwand erstrahlenden späten Meisterwerk des österreichischen Stummfilms, belohnt.

Robert Land, der zur Realisierung seiner Filme auch erste Crowdfunding-Projekte startete, musste als Jude Deutschland verlassen; abrupt ist ihm die Arbeitsmöglichkeit entzogen. Er und seine Frau fliehen einen Tag vor der Grenzsperre im September 1938 nach Frankreich. Mittellos »stirbt« Land am 2. Oktober 1940. Seine Frau wird 1944 nach Auschwitz deportiert und ermordet.

 

Zur Viennale präsentiert das Filmarchiv Austria eine erste Werkschau zu Robert Land und ergänzt damit die Geschichte des österreichischen Filmexils um einen gewichtigen Eintrag.

KünstlerInnen der experimentellen österreichischen Musik kreieren aus den Stummfilmen dieser Retrospektive intensive Spannungsfelder.

 

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