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vergangene Filmschauen: Valeska Gert

VALESKA GERT
Gesicht – Körper – Bewegung

Filmschau und Ausstellung von 10. März bis 17. April 2017

 

valeska_einleitungEisenstein verharrte zwei Jahre in sprachloser Erregung, ehe er wagte, sich der »aufregendsten Erscheinung Deutschlands« zu nähern. Hildenbrandt beschrieb sie als »Mensch[en], der zu Tadel mit allen Zeigefingern Anlaß geben könnte.« Damit sind die Reaktionen auf Gertrud Valesca Samosch schon umrissen: unter staunender Bewunderung und fassungsloser Entrüstung entwickelte sie ihren Bühnenstil, der zwischen Tanz, Pantomime, Trance, Happening und Satire angesiedelt war. Und durchaus für einen Skandal gut.

Ihre erste Filmrolle verängstigte sie. Erst bei Pabst wurde »zur Lust, was mich vorher so beängstigt hatte, das ›Festgehaltenwerden von der Kamera‹. Und die Kamera war ein Millionenpublikum. Toll!« FREUDLOSE GASSE zeigte Gert als Kupplerin. Devote Zofe in Renoirs NANA, sadistische Heimleiterin in TAGEBUCH EINER VERLORENEN, wieder Pabst, eine Animierkellnerin für Junghans und noch einmal Pabst und die DREIGROSCHENOPER. Auch Brecht wollte sie. Doch statt im Film ließ er sie im multimedialen Lehrstück riesenhaft über die Leinwand flackern. Und sorgte mit ihrem drastischen »Tod« für einen Skandal. Schon wieder einer.

Den Nazis galt ihre Kunst als »entartet«, die Jüdin Gert war gezwungen, über Grenzen zu gehen, und eröffnete in NY einen Club. Tennessee Williams kellnerierte ebenso für sie wie später in Berlin Klaus Kinski: »Für fünf Mark pro Tag und für fünf Vodka!« Mit Fellini konnte sie 1965 noch einmal an ihre Karriere anknüpfen. Für das deutsche Kino wurde Gert in den 1970er-Jahren von Fassbinder und Schlöndorff wiederentdeckt. Doch das Milieu, in dem ihre Kunst sich entfaltet hatte, war verschwunden. Auf Sylt verbrachte sie ihre letzten Jahre, weitgehend in Vergessenheit. (Marlis Schmidt)

Valeska Gert machte ihren ganzen Körper, einschließlich Gesicht und Stimme, zum Instrument ihrer kompromisslosen Kunst. Anhand ausgewählter Fotografien und Filmaufnahmen wirft eine Sonderausstellung im METRO Kinokulturhaus ein Streiflicht auf die verschiedenen Phasen ihres Schaffens.

Eröffnung und Vernissage mit Live-Tanzperformance.
Kurator Filmschau: Ernst Kieninger | Kuratorin Ausstellung: Anna Högner

Mit freundlicher Unterstützung der Erbengemeinschaft Valeska Gert c/o Deutsches Tanzarchiv Köln.

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