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Werner Herzog

WERNER HERZOG
»Soldat des Kinos«

Retrospektive – 12. Jänner bis 1. März 2017

 

Er ist nicht gerade berühmt für Kompromisslösungen. »Sogar sein Scheitern ist spektakulär«, wie Roger Ebert meinte. Begriffe wie »Altmeister« und die dazugehörige Schubladenmentalität charakterisieren und tangieren Werner Herzog dementsprechend wenig. Er selbst nennt sich lieber einen »Soldaten des Kinos«, sieht sich als Alternative zur industriellen, starbeladenen Studioproduktion. Gute Geschichten statt großes Geld. Statt Special Effects das rohe Leben. In Amerika ist er längst selbst ein Star, genießt Kultstatus vor allem bei jungen Leuten, während sich die Wahrnehmung hierzulande allzu oft auf die filmische Vergangenheit und die manische Krawall-Beziehung zu seinem liebsten Feind Kinski beschränkt. Herzog dagegen fokussiert Hier und Jetzt, denn auch der Blick zurück liegt ihm nicht besonders.

Mit 20 gründet er seine eigene Filmproduktion, vier Jahre später folgt sein Spielfilmdebüt. Die Filmemacherei finanziert er sich zu dieser Zeit als Schweißer nachts in einer Stahlfabrik. Nichts für »Bettnässer«, wie auch seine 2009 gegründete Rogue Film School, in der er den StudentInnen als Erstes beibringt, wie man Sicherheitsschlösser knackt und Dokumente fälscht. Herzog ist dort, wo das Leben spielt, und auf der Suche nach »ekstatischer Wahrheit« wandert er es nicht nur filmisch ab. Zu Fuß macht er sich auf den Weg von München nach Paris zur sterbenskranken Lotte Eisner. »Lieber die Sinnlosigkeit, wenn es eine ist, bis zur Neige gekostet«, notiert er kurz vor dem Ziel, nahe daran, aufzugeben. Den wohl monumentalsten Moment völliger Sinnentleertheit – ein Moment, wie er sagt, auch bar jeder Emotion – liefert er in FITZCARRALDO, als das Schiff den Berg hinuntergleitet, und er schafft damit eine zeitlose Metapher. Große Opern inszeniert er auch außerhalb des fiebrigen Dschungels, seinem Wohlfühlgebiet, in Bayreuth oder an der Mailänder Scala. Selbst und gerade seine dokumentarischen Arbeiten sind stilisierte, komponierte Stücke, laute Gegenstimmen zum Cinéma verité, das für ihn eine »Wahrheit der Buchhalter« ist. Herzog macht Mut, anders zu sein. Und er hält weiter die Stellung. (Silvia Breuss)

Das Filmarchiv Austria widmet dem Regisseur, Schauspieler und ehemaligen Viennale-Direktor eine – weltweit erstmalige – umfassende Retrospektive.
Werner Herzog wird als Gast des Filmarchiv Austria bei der Eröffnung anwesend sein.

Kurator: Ernst Kieninger

Foto: Werner Herzog Film

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