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vergangene Retrospektiven: Wolfgang Glück

DER FILMEMACHER ALS GENTLEMAN
WOLFGANG GLÜCK

Retrospektive von 16. bis 31. Mai 2017

 

Wolfgang Glück_012Eleganz. Witz. Kultiviertheit. Ein Mann von Welt, den Zeigefinger zwinkernd unter dem Glacé-Leder erhoben. Die Karriere des Wolfgang Glück lässt sich nicht vergleichen. Verschmitzt tänzelt der Österreicher zwischen großen Festspielen und kleinen Fernsehspielen hin und her, wurde Wegbereiter des literarischen Arthouse-Kinos, von Vergangenheitsbewältigung auf der großen Leinwand, von TV-Theater mit Klasse, von experimentellem Bildungsfernsehen. Zudem ist er ein wunderbarer Pionier des europäischen Genre-Films. Ophüls, Lubitsch, Bergman – sie standen Pate für Glücks feinsinnigen, belesenen Stil. Eine große Handschrift für ein kleines Land. 1987 erhielt 38 – AUCH DAS WAR WIEN die erste heimische Oscar-Nominierung.

Wolfgang Glück wurde am 25. September 1929 in das Wiener Großbürgertum geboren. Der Vater war Schriftsteller im Umfeld von Karl Kraus und Adolf Loos, sein Onkel Hollywood-Star Paul Henreid. Berthold Viertel und Fritz Kortner holten ihn ans Theater. Ab 1960 spezialisierte er sich auf Literatur als Fernsehspiel. Der Erfolg von Strindbergs WETTERLEUCHTEN etablierte ihn auch am Burgtheater. Ein unfassbarer Output an TV-Filmen, Theaterstücken, Opern und Operetten in Wien, Frankfurt, Zürich, Salzburg sollten folgen, wobei Glück den Boulevard, die Klassiker genauso beherrschte wie die moderne Hochkultur. 1975 erhielt er den Grimme-Preis. Mit DER SCHÜLER GERBER schaffte er 1981 sein bleibendes Meisterwerk. Als Professor der Theaterwissenschaften, Leiter der Wiener Filmakademie, Mitbegründer der Diagonale, als Mitglied der Academy Awards, vermittelt durch die Freunde Billy Wilder und Fred Zinnemann, formte er ganze Generationen. Ein Edelmann, kein Brandstifter. (Paul Poet)

Das Filmarchiv Austria ehrt den 87-jährigen Granden des österreichischen Kinos mit der bisher umfassendsten Retrospektive, die im Rahmen eines ihm gewidmeten Abends in Anwesenheit von Wolfgang Glück und zahlreichen Gästen am 16. Mai eröffnet wird.

Kurator: Paul Poet

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