DOKUMENTARISCHE FILME

Kaiser Karl I. in Bozen, 15.1.1917, A 1917

KONTAKT

Dr. Nikolaus Wostry (Sammlungsleitung)
Mag. Anna Dobringer (Depot-Management Film)
Susanne Rocca (Nutzungsanfragen)

Die Sammlung dokumentarischer Filme stellt einen Kernbestand des Filmarchiv Austria dar, unmittelbar und authentisch transportieren diese filmischen Dokumente die Zeit- und Kulturgeschichte Österreichs.

Momente und Augenblicke der kollektiven Erinnerung, wie etwa das Begräbnis Kaiser Franz Josefs 1916, die Ausrufung der Ersten Republik 1918, die Februarkämpfe 1934, der Einmarsch Hitlers 1938 oder die Unterzeichnung des Staatsvertrages 1955 konstituieren das audiovisuelle Gedächtnis des Landes und tragen maßgeblich zur kulturellen Identität Österreichs bei.

Aber nicht nur historische Ereignisse und Zäsuren wurden filmisch festgehalten, auch viele Begebenheiten des alltäglichen Lebens haben sich – etwa in privaten Filmdokumenten – verewigt.

FILMDOKUMENTE DER K.K.-ÄRA (1896–1918)

Das Filmarchiv Austria beherbergt heute die weltweit größte Filmsammlung zur Geschichte der Donaumonarchie.
Über 500 historische Filmdokumente der Periode 1896–1918 zeichnen eindrucksvoll das frühe 20. Jahrhundert und die großen Zäsuren der Zeitgeschichte nach.

Die ältesten im Filmarchiv erhaltenen Laufbilder stammen von den Gebrüdern Lumière und wurden 1896 in Wien aufgenommen, die älteste österreichische Produktion stammt vom Wanderkinounternehmer Johann Bläser und zeigt den Kaiserbesuch in Braunau 1903.

FILMDOKUMENTE ZUR 1. REPUBLIK (1918–1938)

Die Sammlung an Filmen zur Geschichte der Ersten Republik ist ein weiterer Schwerpunkt. Die Kollektion der ehemaligen SHB (Staatliche Hauptbildstelle für Lichtbild und Bildungsfilm) bildet dazu einen wichtigen Korpus.
Wesentliche Filmdokumente aus dieser Zeit konnte das Filmarchiv Austria in den vergangenen Jahren auch in ausländischen Partnerarchiven, etwa im Bundesarchiv-Filmarchiv Berlin oder im Gosfilmofond of Russia in Moskau auffinden.

Eine bedeutende Spezialsammlung stellt die Wochenschau des Ständestaates »ÖSTERREICH IN BILD UND TON«dar, ebenso wie oft im staatlichen Auftrag hergestellte filmische Berichte zu verschiedenen öffentlichen bzw. politischen Ereignissen.

FILMDOKUMENTE DER NS-ZEIT (1938–1945)

Filmdokumente zur Geschichte Österreichs im Nationalsozialismus galten bis in die jüngste Vergangenheit vielfach als verschollen. Dem Filmarchiv Austria ist es gelungen, seine Sammlung in diesem Bereich entscheidend zu erweitern: mit den 1938 bis 1939 hergestellten Ostmark-Wochenschauen wurde ein nahezu geschlossener Quellenbestand zur Dokumentation der NS-Machtübernahme in Österreich sichergestellt. Weiters konnten vor allem in den Bundesländern Sammlungen von im Auftrag einzelner Gauleitungen hergestellten Propagandafilmen zur Volksabstimmung, Filme aus Firmenarchiven und filmische Dokumente von NS-Unterorganisationen wiederentdeckt werden.

FILMDOKUMENTE ZUR 2. REPUBLIK (1945 BIS HEUTE)

Seit seiner Gründung 1955 hat das Filmarchiv Austria (damals Österreichisches Filmarchiv) die Überlieferung von Filmdokumenten zur Geschichte der Zweiten Republik massiv vorangetrieben.
Wichtige Quellen stellen dabei Dokumentarfilme verschiedenster Produktionsfirmen und Wochenschaubestände der alliierten Besatzungsmächte dar.
Zur unmittelbaren Nachkriegszeit konnte das Filmarchiv Austria in einer Privatsammlung einen auch quantitativ beachtlichen Quellenbestand von teilweise ungeschnittenen Originalnegativen erwerben und sichern.
Einen besonderen Schwerpunkt bilden die Kultur- und Bildungsfilme, die vor allem für die Jahre des Wiederaufbaus eine identitätsstiftende Funktion hatten. Seit einigen Jahren werden seitens der Bundesländer regelmäßig auch viele landeskundliche Filmsammlungen sowie Bestände aus dem Bereich Schul- und Unterrichtsfilm an das Filmarchiv Austria übergeben.

FILMDOKUMENTE ZU ÖSTERREICHISCHEN REGIONEN

Die systematische Erarbeitung einer filmischen Topografie der österreichischen Bundesländer und Regionen bildet einen weiteren Schwerpunkt der Filmsammlungen. Zu nahezu allen österreichischen Regionen liegen Filmdokumente verschiedenster Formate und Genres vor. Diese lokalspezifischen audiovisuellen Bestände bilden besondere »Resonanzkörper« der Identität von Gemeinden und Regionen. Durch Recherchen in lokalen Archiven, Museen sowie über gezielte regionale Suchaufrufe konnte das Filmarchiv Austria die filmische Landvermessung weiter verdichten, einen wesentlichen Beitrag dazu leisten die bereits ab Anfang des 20. Jahrhunderts hergestellten privaten Filmdokumente.

Mit der hauseigenen DVD-Edition »Österreich in historischen Filmdokumenten« wird die filmtopografische Arbeit des Filmarchiv Austria Region für Region veröffentlicht.