KINOWOCHENSCHAUEN

Die österreichischen Wochenschauen zählen zu den Zentralbeständen des heimischen Filmerbes. Die Wochenschau war ein für das Kino wöchentlich neu produziertes Nachrichtenformat das über politische, gesellschaftliche und kulturelle Ereignisse berichtete. Im Filmarchiv Austria finden sich Dokumente der Kinoberichterstattung von den 30er- bis in die 80er-Jahre. 

Mit der Reihe »Österreichische Wochenschauen« veröffentlichte das Filmarchiv Austria die wichtigsten Dokumente der Kinoberichterstattung von 1933 bis 1981. Die Jahreseditionen enthalten Höhepunkte aus Politik, Sport, Gesellschaft und Alltag.

ÖSTERREICH IN BILD UND TON (1933–1938)

Die austrofaschistische Wochenschau ÖSTERREICH IN BILD UND TON wurde von Juni 1933 bis März 1938 im Auftrag der österreichischen Bundesregierung produziert. Sie war Teil eines medienübergreifenden Propagandakonzeptes und diente vor allem der Legitimierung des autoritären Regimes.
Ziel dieser Kinowochenschau war es, das Bild eines neuen, »vaterländischen« Österreichs zu transportieren, um die österreichische Identität zu stärken und einem »Anschluss« Österreichs an das nationalsozialistische Deutschland entgegenzuwirken. In einem eigenen Forschungsprojekt wurden die im Filmarchiv Austria deponierten Ausgaben der ÖSTERREICH IN BILD UND TON befundet und in Form einer Publikation und der DVD-Edition »Österreichische Wochenschauen« der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

OSTMARK-WOCHENSCHAU (1938–1939)

Die OSTMARK-WOCHENSCHAU ist eine der wesentlichen, bisher aber nahezu unbekannten Bildquellen zur Zeitgeschichte Österreichs.
Nach dem Einmarsch der Hitler-Truppen wurde mit den praktisch unveränderten Produktionsstrukturen der ständestaatlichen Wochenschau ÖSTERREICH IN BILD UND TON neben der DEUTSCHEN WOCHENSCHAU eine »lokale«, NS-konforme Wochenschau hergestellt. Diese Filmberichte waren selbst Spezialisten nicht geläufig und standen de facto unter Verschluss.
Die Beiträge der OSTMARK-WOCHENSCHAU enthalten teilweise spektakuläres Bildmaterial aus der Zeit während und nach dem so genannten »Anschluss« Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938. Explizite Aufnahmen streichen die Begeisterung der Bevölkerung über den Einmarsch deutscher Truppen heraus.

Dem Filmarchiv Austria ist es gelungen, den im Bundesarchiv-Filmarchiv Berlin/Koblenz erhaltenen Bestand von 51 OSTMARK-WOCHENSCHAUEN zu übernehmen und in einem umfassenden Restaurierungs- und Aufarbeitungsprojekt nach Jahrzehnten wieder in Form einer Publikation und der DVD-Edition »Österreichische Wochenschauen« verfügbar zu machen.

WELT IM FILM (1945–1949)

Die britisch-amerikanische Wochenschau WELT IM FILM wurde für die besetzten Gebiete im deutschsprachigen Raum produziert, die österreichische Ausgabe enthielt eigenständige Beiträge.
Als Reaktion auf die DEUTSCHE WOCHENSCHAU der Nationalsozialisten war es die programmatische Zielsetzung der WELT IM FILM, die “Reeducation” und Neuorientierung durch Förderung eines neuen Demokratieverständnisses voranzutreiben.

Mit der Etablierung der AUSTRIA WOCHENSCHAU 1949 stellte die WELT IM FILM ebenso wie die Wochenschau-Produktionen der anderen Besatzungsmächte ihre Aktivitäten in Österreich wieder ein. Teile der WELT-IM-FILM-Produktion 1946 bis 1949 wurden vom Filmarchiv Austria im Rahmen der Jahresedition »Österreichische Wochenschauen« veröffentlicht.

FOX TÖNENDE WOCHENSCHAU (1950–1974)

Ab 1950 wurden für die FOX TÖNENDE WOCHENSCHAU,ein Nachfolger der MPEA TÖNENDE WOCHENSCHAU der britisch-amerikanischen Besatzungsmächte, eigene Österreich-Beiträge hergestellt.
Als wichtigster Mitarbeiter dieses Unternehmens fungierte der Wiener Kameramann, Regisseur und Filmproduzent Otto Pammer (1926–2008). Pammer filmte unter anderem die Unterzeichnung des Österreichischen Staatsvertrages 1955, den Ungarischen Volksaufstand 1956, den ersten Wiener Opernball nach Kriegsende 1956 und auch den Prager Frühling 1968.
Das Archiv von Otto Pammer wurde 2008 in das Filmarchiv Austria eingebracht und ergänzt die zeitgeschichtlich relevanten Wochenschau-Kollektionen des Hauses mit wesentlichen Aufnahmen aus der Zeit desWiederaufbaus.

AUSTRIA WOCHENSCHAU (1949–1982)

In einem Grundsatzvertrag vom Juni 1949 wurde zwischen der Bundesregierung und den Besatzungsmächten die Schaffung einer eigenständigen österreichischen Wochenschau vereinbart. Die erste Ausgabe der AUSTRIA WOCHENSCHAU gelangte am 11.11.1949 in die Kinos. Das Interesse des Eigentümers, der Republik Österreich, lag in der Vermittlung positiver Österreich-Bilder, welche zur Herausbildung einer nationalen Identität dienen sollten.
Die Ausgaben der AUSTRIA WOCHENSCHAU wiesen eine Länge von acht bis zehn Minuten auf, zwischen 1954 und 1971 wurde simultan auch eine zweite Wochenschau, das WELTJOURNAL produziert.
Das Material bildet heute eine substanzielle Basis der dokumentierten audiovisuellen Zeitgeschichte Österreichs. 1998 wurde das Archiv der AUSTRIA WOCHENSCHAU in das Filmarchiv Austria eingegliedert. Hier erfolgte eine vollständige Befundung, Aufarbeitung und Veröffentlichung ausgewählter Beiträge im Rahmen der DVD-Jahresedition »Österreichische Wochenschauen«.

SCOPE UND HALLO KINO (1982–1994)

In den 80er-Jahren hatte das Kino längst eine neue gesellschaftliche Funktion übernommen. Die ersten urbanen Kinocenter entstanden um 1980 und wurden seither vorwiegend von einer jugendlichen Zielgruppe aufgesucht.
Mit SCOPE versuchte man 1982 ein neues Konzept von Wochenschau in Form eines Kinomagazins zu verwirklichen. SCOPE war in den frühen Jahren eine Art »Austro-MTV« mit Filmbeiträgen zu Songs der österreichischen Musikszene und einem wöchentlichen Programmkalender.
Ab 1985 lief HALLO KINO, eine Art Seitenblicke-Magazin mit Kinotrailern, moderiert von Prominenten aus Sport, Politik oder Kultur. Es wurde zunächst wöchentlich, dann 14-tägig und schließlich, gegen Ende der Produktion 1994, nur mehr monatlich hergestellt.