FILMHIMMEL: PROGRAMM 63

Bild Die Zeichen des neuen Lebens mehren sich. Man denkt an Urlaube, Reisen, Unbeschwertheit und Flirts. Die Gitarren werden geschultert, die Wohlstandsbäuche eingezogen, die Campingwägen gepackt, die Badehosen und Bikinis verstaut. Und dann ziehen sie vorbei: die Alpenpanoramen, die Terrassen der Konditoreien mit Seeblick, die saftigen Wiesen, auf denen sich ab und an ein paar Kühe verirren. Landschaft, Kabale und Liebe heißt das Rezept. Österreich präsentiert sich als Land touristischer Sehnsüchte und sein bestes Vehikel sind in den fünfziger Jahren Filmproduktionen.
HÖHENRAUSCH ist zur Gänze aus Postkarten gebaut, und die Idylle, die sie versprechen, gewinnt an halsbrecherischer Dynamik und ironischer Brechung. Gibt es noch ein Land und einen Alltag jenseits der Karten oder haben sich die selbst reproduzierenden Klischees als zu gefräßig erwiesen? Die Harmonie wirkt aufgezehrt.
›Verliebte Leute‹ sind unterwegs. Singende Mädchen, zwei Rollerfahrerinnen, ein Bus auf Sonderfahrt. Ein imposanter Cadillac wie ein VW-Kübelwagen mit einem kleinen Wohnwagenanhänger rollen auf der ehemaligen Reichsautobahn durch Südbayern und Österreich. Ein reicher Wohlstandsbürger mit repräsentativer Statur hat seinem Töchterchen den Urlaub versprochen, und drei junge Männer erkunden gerade das ›freie Vagabundenleben‹. Die Sonne lacht und ein heiteres Lied wird auf der Fahrt angestimmt: »Wenn Sie wollen, wenn Sie wollen, bringen Sie mal den Stein ins Rollen, der auf meinem Herzen liegt und schon einen Zentner wiegt.« Außer den Rädern jedoch rollt noch nichts. Die erste Station auf dem Weg in den Süden ist München. Hier beginnen sich die Belegschaften der beiden Gefährte zu durchmischen. Anja, die reiche Tochter, setzt ihre Reise unter falschem Namen im Kübelwagen fort, und Manfred, der nüchterne Techniker des Trios, schlüpft in die Rolle des Chauffeurs und fährt eine Telefonistin als vermeintlich wohlhabendes Fräulein Tochter im Cadillac an das Reiseziel Velden. Zwischenfälle sind nun programmiert, doch auf den Straßen der verliebten Leute bestätigen sich alle Konventionen und Wünsche. Der Himmel ist immer blau, Österreich zeigt eindrucksvollste Landschaften und am Ende des Films haben sich drei Paare gefunden. Auch der gestrenge Wohlstandspapa kann sich mit einem sachlichen Techniker als Schwiegersohn und Firmenerbe zufrieden geben. (Elisabeth Büttner)
HÖHENRAUSCH
A 1999
REGIE: Siegfried A. Fruhauf
MUSIK: Rainer Gamsjäger
KONZEPT und REALISATION: Siegfried A. Fruhauf
ÖSTERREICHISCHE EA: 11.6.1999
FORMAT: 16 mm, Farbe, Ton
LAUFZEIT: 4 Minuten

VERLIEBTE LEUTE
A 1954
REGIE: Franz Antel
BUCH: Herbert Reinecker, Hans-Karl Kubiak, Jutta Bornemann
KAMERA: Hans Theyer
MUSIK: Lotar Olias
TON: Max Vernooij, Herbert Janeczka
SCHNITT: Arnd Heyne
BAUTEN: Sepp Rothauer
MASKE: Fritz Jelinek, Hertha Matula
DARSTELLER: Drei verliebte Männer: Peter Pasetti (Manfred Böttcher), Rudolf Platte (Gerhard Rohne), Peter Alexander (Karl Muck), Hannelore Bollmann, Doris Kirchner, Ilse Peternell (drei liebenswerte Mädchen), Hans Moser (Gustav Kränzlein, ein Onkel mit Herz), Oskar Sima (Dir. Otto Polsterer, Kaufmann, ein gestrenger Vater), Paula Braend, Karl Eidlitz, Herbert von Strohmer, Raoul Retzer (Tankwart), Fritz Friedel, Elma Karlowa
ATELIER: Atelier Parsch, Salzburg
DREHORTE: Salzburg, Fuschlsee, Wolfgangsee, Wörthersee, Velden, Großglocknergebiet, München
PRODUKTION: Neusser-Film, Wien; Hope-Film, Wien
HERSTELLUNGSLEITUNG: Erich v. Neusser
PRODUKTIONSLEITUNG: Franz Hoffmann
AUFNAHMELEITUNG: Felix R. Fohn, Max Weber
UA: 31.12.1954, Wien
FORMAT: 35 mm, s/w
LAUFZEIT: 90 Minuten


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