Kino der Orte

Schon in den letzten beiden Jahren hat sich das Filmarchiv-Projekt KINO DER ORTE der Suche nach den öffentlichen Räumen der Film- und Kinogeschichte dieser Stadt verschrieben.
Die Tournee 2014 nimmt nun die eigentlichen Orte des Kinos, ehemalige, heute aus dem Stadtbild und dem Bewusstsein verschwundene Lichtspielhäuser, ins Visier. KINO DER ORTE beschreibt dabei nicht nur Stationen, sondern auch eine Genealogie der öffentlichen Kinoräume. In 14 Programmen werden an sieben Schauplätzen Filmgeschichten gezeigt, die das Kino über sich selbst erzählt hat.
Die Erkundungsfahrten führen zurück zu den ersten Filmvorführungen durch die Gebrüder Lumière im Wien des Jahres 1896. Im April wurde damals dem Kaiser höchstpersönlich die neue Erfindung der »lebenden Photographien« in der Hofburg im Rahmen einer Privatvorstellung präsentiert. Diese erste legendäre Filmshow im Machtzentrum der Habsburger rekonstruiert ein KINO-DER-ORTE-Programm am authentischen Schauplatz, direkt in den Kaiserappartements.
Findige Schausteller popularisierten die Welt der Laufbilder zunächst im Prater- und Jahrmarktsmilieu, um dann oft selbst die ersten ortsfesten Kinos zu gründen. Schon bald eroberte das Kino pulsierende Orte des urbanen Lebens auch außerhalb des Stadtzentrums. KINO DER ORTE öffnet nach Jahrzehnten wieder das Währinger Bürgertheater das zuletzt als Camera-Kino bespielt wurde. Nachdem vor rund 25 Jahren dort zuletzt Erotik-Programme liefen, bringt KINO DER ORTE wieder große Leinwand-Kunst, etwa von Buster Keaton, in den charmant verwitterten Jugendstil-Saal.
Endstation (erotische) Sehnsucht gilt auch für das Fortuna in Favoriten – nach vorübergehender Schließung hält sich heute eines der letzten original erhaltenen Vorstadtkinos mit Pornofilmen über Wasser. KINO DER ORTE interveniert an diesem illustren Schauplatz u.a. mit dem hochreflexiven Horror-Streifen BERBERIAN SOUND STUDIO – und ruft die Kraft der Bilder in Erinnerung, die einst auch in den kleinen Lichtspielhäusern an der Peripherie beheimatet waren.
Eindrucksvolle Spuren der ersten Hochblüte Wiener Kinokultur finden sich im ehemaligen Phönix an der Lerchenfelderstraße. Dieser von Hans Prutscher gestaltete Neubau bildete 1912 ein Monument der Kinomoderne, fast vierzig Jahre, nachdem in diesem frühen Lichtspielpalast der letzte Vorhang fiel, bringt KINO DER ORTE mit kongenialem Programm – u.a. SUNSET BLVD. – die Macht der Bilder ins Phönix  zurück.
Stadtauswärts Richtung Westen werden  Kinoarchäologen erneut fündig, in Hütteldorf hat sich – dank einer engagierten Kreativ-Bürogemeinschaft – ein wunderbarer Stummfilmsaal mit Holzbalkonen und Vorführraum erhalten. Seit 1911 wurden hier Laufbilder projiziert und 1922 avancierte das Baumgartner Bio-Theater mit 574 Plätzen zum zweitgrößten Betrieb Penzings. Vor beinahe 50 Jahren sind hier die letzten Filmbilder erloschen – nun feiert KINO DER ORTE im lässigen Start-up-Loft in der Traumkulisse des alten Lichtspielpalastes große Filmkunst – und mit THE PURPLE ROSE OF CAIRO kommt Woody Allens Spiel zwischen Schein und Sein, Leinwand und Wirklichkeit hier zu neuer Bedeutung.
Ein ebenso faszinierendes wie wehmütiges Bild vergangener Kinogröße bietet auch das Eos an der Landstraßer Hauptstraße. Bei einem Besuch der heute dort aktiven rührigen Humana-Filiale lässt sich noch das imposante Foyer erleben, der Saal aber ist seit der Schließung vor 10 Jahren in einen tiefen Dornröschenschlaf verfallen. Hier, in dieser langsam versinkenden Kinotraumlandschaft kommt die Programmatik von KINO DER ORTE auf den Punkt: als urbane Gedächtnisexpedition, die mit der imaginären Kraft des Kinos über die Grenzen von Raum und Zeit hinweg einige der glücklichsten Momente der Filmgeschichte mit dem Hier und Heute verbindet
. (Ernst Kieninger)

KINO DER ORTE ist ein Projekt des Filmarchiv Austria in Zusammenarbeit mit St. Balbach Art Produktion, Wien.



 

 



 

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Tel.: 01/216 13 00

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