FILMDOKUMENTATION UND FORSCHUNGSPROJEKTE

Die Abteilung Filmdokumentation/Forschung initiiert und koordiniert sämtliche wissenschaftlichen Projekte des Filmarchiv Austria. Die Grundlage sämtlicher Forschungsarbeiten bildet dabei die faktografische Erschließung der Bestände. Ein zentrales Projekt dabei bildet die Österreichische Filmografie, ein detailliertes Verzeichnis aller österreichischen Filme von den Anfängen bis zur Gegenwart.

Auf dem Gebiet der Grundlagenforschung hat das Filmarchiv Austria wiederholt an EU-Forschungsprojekten zur Vernetzung und Vereinheitlichung nationaler Datenbanken teilgenommen. Im Rahmen des Projektes European Film Gateway ist ein europäisches Online-Portal zur digitalen Dokumentation des europäischen Filmerbes entstanden.

Ein weiterer Forschungsschwerpunkt fokussiert auf Filme im zeitgeschichtlichen Kontext. Hier hat das Filmarchiv Austria in den letzten Jahren zahlreiche Projekte etwa zur Geschichte des Proletarischen Films, der Filmwochenschauen, der politischen Filmarbeit in der Ersten und Zweiten Republik, der Filmpropaganda im Nationalsozialismus oder auch der österreichischen Filmzensur realisiert.

ÖSTERREICHISCHE FILMZENSUR

Die wiederentdeckten österreichischen Filmzensurlisten gehören zu den wichtigsten Quellen für die Filmforschung. Im Rahmen eines mehrjährigen Forschungsprojektes und einer begleitenden Veröffentlichungsreihe hat das Filmarchiv Austria sämtliche erhaltenen Dokumente zur Filmzensur erstmals aufgelistet. Da diese Informationen oft die einzigen erhaltenen Hinweise auf bestimmte Filme sind, ist diese Datensammlung für die filmografische Forschung, aber auch in Bezug auf die genaue Darstellung der Kino-Aufführungspraxis in Österreich von grundlegender Bedeutung.

Alle bisher erschienen Bände zur Geschichte der österreichischen Filmzensur können Sie über unseren Shop beziehen.

PROLETARISCHES KINO IN ÖSTERREICH

Mit diesem Projekt legt das Filmarchiv Austria eine erste, umfassende Aufarbeitung des proletarischen Kinos in der Ersten Republik vor. Ausgehend von den Referenzprojekten der »Sowjet-Projektionen« entwickelte die sozialdemokratische Arbeiterpartei vor allem im Roten Wien, oft abseits des politischen Establishments, eigene Formate der filmischen Artikulation.

Ausführliche Recherchen vor allem in russischen Archiven brachten nicht nur wertvolle Einsichten und Entdeckungen, sondern verbreiterten die Materialbasis für eine repräsentativere Bewertung dieses bisher kaum bekannten Kapitels der politischen Filmarbeit. Die Ergebnisse des von Dr. Christian Dewald geleiteten Forschungsprojektes wurden in der Publikation Proletarisches Kino in Österreich (2 Bücher + DVD-Box) veröffentlicht.

EFG - EUROPEAN FILM GATEWAY

Das European Film Gateway  ist ein Portal, das schnellen und einfachen Zugriff auf hunderttausende filmhistorische Dokumente bietet, die in 16 europäischen Filmarchiven und Kinematheken verwahrt werden. Hierzu gehören Stand- und Setfotos, Filmplakate, Produktionsunterlagen, Kostümentwürfe, Programmhefte, Zeitschriften, Zensurkarten, seltene Spiel- und Dokumentarfilme, Wochenschauen und weiteres Material aus 15 unterschiedlichen Ländern.

WissenschaftlerInnen und Filmfans bietet EFG Einblick in die europäische Filmproduktion von den Anfangstagen bis heute. NutzerInnen des Portals können nach Personen, aber auch nach Filmtiteln oder Schlagworten suchen. Das Filmarchiv Austria hat zahlreiche Filmdokumente zum Thema Erster Weltkrieg sowie die digitalisierte Dokumentation von Paimanns Filmlisten in das Forschungsprojekt eingebracht.

PAIMANN'S FILMLISTEN

Paimann’s Filmlisten war ein von Franz Paimann herausgegebenes Filmprogramm, in dem bis 1965 in lexikalischer Form Kritiken sämtlicher in Österreich angelaufener Filme aufgelistet wurden. Jeder Eintrag enthielt eine Synopsis, Credits, Zensurangaben und eine Bewertung. Die erste Ausgabe erschien 1916, ab 1921 erschienenPaimann’s Filmlisten wöchentlich.

Die von Brancheninteressen unabhängige Publikation richtete sich in erster Linie an Kinobesitzer in ganz Österreich und genoss vor allem in den Bundesländern hohen Stellenwert. Aufgrund der detaillierten Informationen zu allen in Österreich verliehenen Filmen gelten Paimann’s Filmlisten heute als wesentliche Quelle für die heimischeFilmwissenschaft. Im Rahmen des EU-Projektes European Film Gateway hat das Filmarchiv Austria die Bestände von Paimann’s Filmlisten vollständig erschlossen und teilweise auch online verfügbar gemacht.

ÖSTERREICHISCHE FILMOGRAFIE

Die Österreichische Filmografie ist der Basiskatalog zur Geschichte der nationalen Spielfilmproduktion, eine wertvolle Quellensammlung für die wissenschaftliche Forschung, ein Findbuch zur vertiefenden Recherche und ein unentbehrliches Lexikon für alle an der Geschichte des Österreichischen Films Interessierten. Mit der Filmografie zur österreichischen Filmgeschichte bis 1918 legte das Filmarchiv Austria einen ersten Band vor, der detailliert die Pionierjahre der heimischen Filmproduktion dokumentiert.

Viele, heute als verloren geltende Streifen werden hier ausführlich beschrieben. Die als Hand- und Lesebuch konzipierte Publikation erfasst dabei zahlreiche auch weitgehend unbekannte Filme und Filmprojekte und bietet als Nachschlagewerk zudem ausführliche Details zu Aufführungs- und Herstellungsdaten, zu Rollenbesetzungen oder Zensurschnitten. Derzeit wird die Filmografie der Stummfilmjahre bis 1930 sowie die Dokumentation der österreichischen Tonfilmzeit bis 1938 bearbeitet.

VERZEICHNIS IN ÖSTERREICH GELAUFENER KINOFILME

Seit mehreren Jahren arbeitet eine kleine Forschungsgruppe im Filmarchiv Austria an einem umfassenden Verzeichnis aller in Österreich angelaufenen Kinofilme. Damit wird eine erste Datenbank zur Aufführungsgeschichte der in den heimischen Kinos gezeigten Filme erstellt. Ergänzend zur österreichischen Filmografie entsteht hier eine gesicherte Evidenz der Kinoprogrammierung in Österreich, und somit eine faktenreiche Gesamtübersicht der heimischen Distributions- und Rezeptionsgeschichte.

KINOGESCHICHTE WIENS

Bis dato steht eine umfangreiche Darstellung der Kinogeschichte Wiens aus. Ziel dieses Filmarchiv-Austria-Forschungsprojektes ist es, auf Basis verdienstvoller Einzeluntersuchungen und Teilaufarbeitungen von kinohistorischer Forschung in einzelnen Bezirken eine Gesamtübersicht zur Entwicklung des Kinos zu liefern.

Unter der Projektleitung von Dr. Florian Pauer entsteht eine zweibändige Dokumentation, in der jeder in der Donaumetropole evident gewordene Kinobetrieb – von den Schaustellerkinos der Kaiserzeit bis zum gegenwärtigen Multiplex – verzeichnet sein wird. Neben einer daten- und faktenreichen Beschreibung der Betriebe wird besonderer Wert auf die Visualierung der größtenteils schon untergegangenen Laufbildorte gelegt.